IPAktuell „Dienst nach Vorschrift“

Ich bin seit über 30 Jahren selbstständig, meine Mitarbeiter und Kunden meinen, ich sei erfolgreich, woran ich seit einigen Jahren auch glaube (obwohl ich es sicher schon länger bin). Das hat unter anderen mit meinem demokratischen Führungsstil zu tun.

Neulich nahm ich als erfahrener Skipper mit meiner Frau und Kollegen an einem 2-wöchigen Segeltörn mit 5-tägiger Regatta teil. Auf einem Schiff hat der Skipper das letzte Wort und trägt die Verantwortung. Meine Aufgabe war bei diesem Törn die des Co-Skippers. Die Sicherheitseinweisung zu Beginn war ausführlich und die Regeln wurden alleine vom Skipper bestimmt.

Einen Tag vor der Regatta hatten wir einen Termin mit einem externen Segelcoach gebucht, der uns gute Tipps für den idealen Segeltrim geben sollte. Wir segelten vor diesem Termin bereits auf See und übten unsere Manöver. Die mehrmaligen Hinweise, dass wir uns zu dem vereinbarten Treffpunkt aufmachen sollten, wurden vom Skipper ignoriert. Er wollte noch mehr Manöver üben. Wir verpassten das Coaching und somit auch hilfreiche Tipps.
Beim Anlegemanöver im Hafen werden Fender (Gummibojen) an den Seiten des Schiffes angebracht. Als Crewmitglied kenne ich das Prozedere bestens. Ich platzierte diese an den Stellen, die am meisten gefährdet sind. Der Skipper befahl mir, diese anders zu montieren. Als dann beim Anlegen genau die von mir vorgesehene Partie des Schiffes in Gefahr kam, massregelte er mich.
"Wieso ist der Fender nicht da?“ Ebenso wurde der dafür nötige Knoten kontrolliert und bemängelt, weil er andersrum und nicht so, wie er es macht, war.
Eine Aufgabe während der Regatta ist die des Beobachters. Der meldet und weist auf mögliche Gefahren und Kollisionskurse mit anderen Schiffen hin. Zu Beginn wurden diese Mitteilungen wahrgenommen. Mit der Zeit stellte ich fest, dass diese "überhört" wurden. In der Folge ergaben sich einige brenzlige Situationen.
Meine Empfehlungen und Erfahrungen als Navigator wurden immer kontrolliert. Ich hatte das Gefühl: Er vertraut mir nicht.
Bei den delegierten Aufgaben der Bordkasse und des Provianteinkaufes wurde reingeredet und kontrolliert, was Misstrauen auslöste.

Durch diese Art der Führung merkte ich bei mir, dass ich in der Folge meine Eigeninitiative zurücknahm und nur noch auf "Befehl" reagierte.

Mit dieser spannenden Erfahrung als "Mitarbeiter" konnte ich fühlen, 
wie es Angestellten gehen kann, wenn

- sie ständig kontrolliert werden
- ihre Inputs nicht ernst genommen werden
- ihnen bei den ihnen zugewiesenen Aufgaben wenig Ver(zu)trauen geschenkt wird
- Eigeninitiative wenig (wert)geschätzt wird
- Optimierungsvorschläge nicht wahrgenommen werden

Das führt zu "Dienst nach Vorschrift"
und hemmt Entwicklung (des Unternehmens)!


Das sind Eindrücke eines geschätzten Freundes von mir.
Sommerliche Grüsse
Holger
IPA Suisse Coaching GmbH
mit Sitz in Baden / Aargau CH
Handelsregistergericht Aarau
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Geschäftsführender Gesellschafter:
Holger Przybyla
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