IPAktuell „Wage es, weise zu sein II!“

Ich wünsche allen ein erMUTigendes neues Jahr!
Hier, wie angekündigt, einige Rückmeldungen
im Original zum letzten IPAktuell.

Interpretation: Wenn ein anderer für mich die Entscheidungen trifft, brauche ich nicht mutig sein und die Verantwortung für mein „Tun“ übernehmen! Ich bin lieber mutig und treffe Entscheidungen!
L.B.

MUT ist immer und überall nötig. Im tagtäglichen Leben mit dem Partner, im Job und im Freundeskreis. Für alles lassen sich Situationen finden, in welchen wir die Lüge der Wahrheit bevorzugen. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig, und natürlich auch vielfach erforscht. Doch zurück zu Kant. Sollten wir nicht öfter den MUT(H) besitzen und die Wahrheit aussprechen? Sollten wir nicht öfter den MUT(H) besitzen und unseren Verstand einschalten und das sagen und tun, was vielleicht nicht von uns erwartet wird? Verstand geht mit Vernunft einher. Aber manchmal ist es nötig, das eine vom anderen zu trennen und sich den Verstand aber auch die Vernunft zu Nutze machen. Frei nach Hegel „was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“
(Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts,
Frankfurt am Main 1972! s. 11).
Ergo: MUT braucht es definitiv, aber manchmal wird die Vernunft, da sie wirklich ist den MUT schlagen.

Wie schlägt die Vernunft den MUT?
Zwei möglicherweise fiktive Beispiele, welche mir einfallen:
Kollege T. erzählt dem Kollegen G., dass er homosexuell ist. Dafür hat er allen MUT zusammen genommen, um dies Preis zu geben. Beim nächsten Teammeeting beginnt G. seinen Statusvortrag damit, dass T. auf Männer steht. T. verlässt wortlos den Raum.

Mit unserem großen Sohn (wird im Januar 8 Jahre alt) haben wir im letzten halben Jahr verstärkt das Thema Nein-Sagen besprochen. Nun kommt seine Patentante zu Besuch und möchte ihn in die Arme nehmen und drücken und einen Kuss geben. Er nimmt all seinen MUT zusammen und sagt: „Nein, das möchte ich nicht, du riechst nach einem doofen Blumenparfum!“

In beiden Situationen hat jemand MUT bewiesen und seinem Gegenüber die Wahrheit gesagt. Doch die Reaktionen beim Gegenüber waren unterschiedlich: Hohn und Spott sowie Traurigkeit und verletzt sein. Meine Gedanken zu diesen Situationen: was lernen die MUTigen aus diesen Situationen? Werden diese nochmals den MUT aufbringen solche Gedanken frei zu äußern oder wird die Vernunft den MUT schlagen, so dass es nicht ausgesprochen wird? Was haben die beiden in der jeweiligen Situation gelernt? Lernen ist eine Verhaltensänderung, die auf Erfahrung basiert (pädagogische Psychologie nach Zimbardo). Werden die beiden lernen, dass es vernünftig ist ab und zu „die Klappe zu halten“?

Wie dem auch sei: Die Patentante musste auch zugeben, dass die Äußerung MUTig war. Daher wage ich die These, dass MUT von allen Seiten gesehen wird, die Vernunft aber nur auf der Seite des Senders (in der Situation) sichtbar ist.
D.K.


Dem Zeitalter der Aufklärung folgte die Romantik, in der das Pendel weg von der Ratio hin zu mehr Gefühl schwang. Aber Kants Aufforderung ist hochaktuell und bei weitem noch nicht erreicht. Vielleicht war es zu dieser Zeit einfacher diesem Motto zu folgen. Damals konnte ein gebildeter Mensch das gesamte Wissen seiner Zeit annähernd überblicken. Aber er hat auch wesentlich weniger „gewusst“ als heute. Das Wissen, ob fehlend oder vorhanden, löst auch nicht die von Kant skizzierte Aufgabe. Er fordert auf, auch im Bewusstsein seiner Mängel sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und selbst aktiv zu werden. Die Entscheidungen anderen zu überlassen und die Meinungen anderer übernehmen ist ein Phänomen das sich durch die Menschheitsgeschichte zieht bis zum heutigen Tag. Kant nennt als Gründe Faulheit und Feigheit. Dahinter steckt auch ein Grundbedürfnis des Menschen, zu einer Gemeinschaft dazu gehören. Das kann eine Gruppe, ein Verein, eine Partei, Volk u.a. sein, das vermeintlich Schutz bietet und wo man Verantwortung abgibt. Die zu Grunde liegende Grundangst, wenn man sich mit seiner Meinung und seinem Handeln außerhalb dieser „Gemeinschaft“ stellt, heißt Ablehnung, Ausgrenzung, Vereinzelung. In prähistorischen Gesellschaften bedeutete das den Tod und die Verbannung war die härteste Strafe. Deshalb braucht es Mut und die Vorstellung einer ideellen Wertegemeinschaft.
K.S.


Einen guten Start
ins neue Jahr
Holger
IPA Suisse Coaching GmbH
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